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Regelstudiengang Vs. Modellstudiengang

Regelstudiengang vs. Modellstudiengang

Möchte man Humanmedizin in Deutschland studieren steht man vor einem großen Dilemma: „Möchte ich an einer Uni mit Regel- oder Modellstudiengang studieren? Und welche Vor- und Nachteile bringen beide Formen des Medizinstudiums mit sich?“

Das ist für ein Medizinstudium von 6 Jahren sicherlich eine sehr wichtige Entscheidung, die einem so nicht leicht fällt. Vor allem, wenn man bedenkt wie verwirrend das Ganze sein kann.

Deshalb haben wir hier ein paar Daten für Euch zusammengestellt, die Euch hoffentlich helfen Eure Entscheidung leichter zu fällen.
Außerdem teile ich Euch meine persönliche Erfahrung mit dem Modellstudiengang in Düsseldorf mit.

Dann wollen wir mal anfangen.

 

Zulassungsverfahren und Grundlegendes

Die Regelstudienzeit für Medizin beträgt in Deutschland 12 Semester und man schliesst es mit dem Staatsexamen ab. Das ist für beide Studiengangsmodelle gleich.
Nach Abschluss des Studiums benötigt man die sogenannte Approbation um dann als Arzt zu arbeiten. Es handelt sich hier um die rechtliche Zulassung. Diese wird von der jeweiligen Landesbehörde erteilt.

Grundvoraussetzung für jeden, der Medizin studieren möchte ist aber erstmal die Allgemeine Hochschulreife oder ein entsprechend anrechenbarer Schul- oder Ausbildungsabschluss.

Für die Zulassung zum Medizinstudium gelten ausserdem 3 Quoten:
20% Abiturquote
20% Wartezeitquote
60% Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH)

Die Bewerbung verläuft für beide Formen des Medizinstudiums über das bundesweite Zulassungsverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung.
Das Ganze läuft über ein Rankingsystem ab, was Euch die Möglichkeit gibt, Euren Universitätsfavoriten die ersten Plätzen zu vergeben. Insgesamt könnt Ihr 6 Unis angeben.
Die genauen Infos zu den Quoten findet Ihr bei Hochschulstart.de

Vorsicht ist bei Bewerbung für andere Fächer mit NC (Numerus Clausus) geboten, wie z.B. Zahnmedizin oder Pharmakologie, denn Ihr Euch erst einmal nur für jeweils eins von diesen Fächern bewerben könnt. Ihr könnt Euch pro Semester also entweder nur für Medizin, Zahnmedizin oder Pharmakologie bewerben.
Weitere Infos zur Bewerbung findet Ihr ansonsten natürlich direkt auf Hochschulstart.de.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Beitrags. Denn wichtig zu wissen ist, dass die Unis in Deutschland das Medizinstudium entweder nach dem Regel- oder dem Modellstudiengang anbieten. Diese unterscheiden sich in deren Aufbau voneinander. Der Abschluss ist bei beiden Modellen natürlich das Staatsexamen und absolut gleichwertig.

Wegen des unterschiedlichen Aufbaus kann sich ein eventueller späterer Wechsel zwischen den beiden Formen als sehr komplex herausstellen. Deshalb solltet Ihr schon im Vorab für Euch abwägen, welche Form des Studiums Euch am besten liegen würde und Euch dementsprechend bewerben.

Das hört sich jetzt vielleicht ernster an als es ist, aber wir sind uns sicher, dass Ihr am Ende dieses Artikels zum Thema schlauer geworden seid und Euch die Entscheidung viel leichter fällt.

Dann machen wir direkt weiter mit dem ersten spannenden Punkt in unserem Vergleich.

 

Regelstudiengang

Der Regelstudiengang ist quasi der Klassiker unter den beiden Formen des Medizinstudiums.
Dieser wird zur Zeit auch noch an den meisten Universitäten angeboten, auch wenn nach und nach mehr davon auf den Modellstudiengang umstellen.
Es ist auch meistens so, dass man sich den Stundenplan im Regelstudiengang selber zusammenstellen kann. Das gibt einem natürlich mehr Flexibilität, aber nimmt einem vielleicht den teilweise nötigen Druck.

 

Der Aufbau

Der Aufbau des Regelstudiengangs ist an allen Universitäten gleich. Der Regelstudiengang ist in zwei Abschnitte gegliedert – in Vorklinik und Klinik.

Im Folgenden erkläre ich Euch die einzelnen Abschnitte.

 

Vorklinik

Der Vorklinische Studienabschnitt, auch einfach „Vorklinik“ genannt, besteht aus dem 1. bis 4. Semester. Er wird mit dem Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, dem sogenannten Physikum abgeschlossen. Das Physikum besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Dafür stehen 2 aufeinanderfolgende Prüfungstage an.

Wie der Name schon sagt, ist man während der Vorklinik nicht in der Klinik, sondern nur an der Uni und es werden dort die theoretischen Grundlagen für´s Studium gelegt.
Es muss also erstmal reichlich gebüffelt werden, bevor Ihr den ersten Patienten zu sehen bekommt, ausser natürlich im Pflegepraktikum. Das Pflegepraktikum müsst Ihr bis zum Ende der Vorklinik absolviert haben, da es eine der Voraussetzungen für´s Physikum ist. Das ist übrigens bei beiden Modellen gleich.

Ein kleiner Tipp von mir: falls Ihr vor Beginn des Studiums noch Zeit habt, dann fangt doch schon Mal mit dem Pflegepraktikum an oder macht direkt die 3 Monate voll. Die dadurch gewonnene Zeit wird Euch in der Vorklinik noch ganz gut tun. Zum Thema Pflegepraktikum und Erste Hilfe werden wir aber auch noch einen separaten Beitrag erstellen.

 

Der erste Abschnitt der Ärtzlichen Prüfung – das „Physikum“

Bei vielen gefürchtet: das Physikum! Eigentlich heisst es heutzutage der erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, aber es ist halt umgangssprachlich als das „Physikum“ bekannt.

Das ist die erste grosse Prüfung, die Ihr ablegen müsst. Sie kommt am Ende der Vorklinik und es werden an 2 Tagen in jeweils einer Klausur insgesamt 320 Fragen aus den Fächern Biochemie, Chemie, Physiologie, Physik, Anatomie, Biologie, Psychologie und Soziologie abgefragt. Und weil das noch nicht anstrengend genug ist, folgt dann noch eine mündliche Prüfung in Anatomie, Biologie und Physiologie. Diese erfolgt aber nicht direkt nach den Klausuren, sondern ein paar Tage später.

Die Endnote wird dann aus dem schriftlichen und mündlichen Teil berechnet.

Wenn das Physikum bestanden ist, geht es weiter in die Klinik.

 

Klinik

Der Klinische Studienabschnitt, also die sogenannte „Klinik“, umfasst den kompletten Rest des Studiums, also das 5. bis 12. Semester.

Neben den Vorlesungen und Kursen muss auch noch die Famulatur absolviert werden. Das sind quasi Praktika in Arztpraxen oder Kliniken. Insgesamt müssen 4 Monate Famulatur geleistet werden, wobei 1 Monat in einer Praxis und 2 Monate im Krankenhaus Pflicht sind. Der übrige Monat kann dann entweder in der Praxis oder im Krankenhaus abgeleistet werden.
Auch hier ein kleiner Hinweis: die Famulatur beim Haus- oder Facharzt dürft Ihr nicht bei Eurem eigenen Arzt machen. Das ist in der Regel wegen eines möglichen Konflikts verboten. Ihr müsst Euch also entweder eine andere Praxis oder für die Zukunft einen neuen Arzt suchen.

 

Der zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

Nach dem 10. Semester findet aber schon der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung statt, umgangssprachlich auch gerne das „Hammerexamen“ genannt.
Hier gibt es „nur“ einen schriftliche Prüfung, die über 3 Tage läuft und wobei insgesamt 320 Fragen beantwortet werden müssen.
Na wie der Name schon sagt, ist das sicher keine leichte Prüfung. Aber ganz im Ernst: mit viel Fleiss schafft Ihr diese Prüfung sicher.

 

Das PJ

Im letzten Studienjahr wird das praktische Jahr, das sogenannte PJ, abgeschlossen.
Das PJ bedeutet, dass Ihr nun wirklich praktisch, unter Anleitung, arbeitet. Manche Leute sagen auch das wäre das wohl am schlechtesten bezahlte Praktikum, aber das ist ein anderes Thema.

Die Einsätze in den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie sind verpflichtend für´s PJ, aber den 3. Bereich könnt Ihr selbst wählen. Hier sollte das PJ sollte auf jeden Fall dazu genutzt werden in die Gebiete reinzuschnuppern, in denen man später vielleicht seinen Facharzt machen möchte. Einen besseren Einblick bekommt Ihr nicht, als selbst dort zu arbeiten.

 

Dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

Nach dem Ende des PJ erfolgt der letzte Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und nach erfolgreichem Bestehen habt Ihr dann Euren Abschluss in der Tasche.
Die letzte Prüfung ist mündlich und praktisch. Ihr müsst hier also all Euer erlerntes Können unter Beweis stellen.

Hier nun aus meiner Sicht die Vor- und Nachteile des Regelstudiengangs:

 

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
vorklinische Fächer werden ausführlich behandelt und an einem Stück ohne Aufteilung in verschiedenen Blöcken abgeschlossen
→ bessere Übersicht
keine Aufteilung der Fächer nach Organsystemen bzw. Krankheitsbildern, was zum besseren Verständnis beitragen würde
keine PatientenpraktikaVorklinik: Lernen ohne klinische Bezüge und ohne Patientenkontakt
→ erfordert grosses Durchhaltevermögen in den ersten 2 Jahren
keine Aufteilung der Fächer nach Organsystemen bzw. Krankheitsbildern, was zum besseren Verständnis beitragen würdeVerzögerung der Studienzeit durch mangelnde Motivation
freie Wahl der Kurse/Fächer, die pro Semester belegt werdenVerwirrung in den ersten Semestern nach der „alten“ Gewohnheit mit den vorgegebenen Stundenplänen in der Schule
Wenig Wahlfächer → in HHU Düsseldorf insgesamt 2 Wahlfächer im gesamten Studium nachzuweisenWomöglich wenig Selbstdisziplin bei der Belegung mehrerer Wahlfächer, als Basics für den klinischen Alltag, wie z.B Sonographie Grundkurs, Computertomographie, Instrumentenlehre in der Allgemeinchirurgie
kein Nachweis von mehreren Kompetenzpunkten (siehe Modellstudiengang)
→ Gewinn von kostbarer studienfreien Zeit

 

Universitäten mit Regelstudiengang

Quer durch Deutschland sind ca. 38 medizinische Fakultäten verteilt. Von denen bieten folgende Regelstudiengang an:

Bonn
Duisburg-Essen
Erlangen-Nürnberg
Freiburg
Gießen
Greifswald
Halle-Wittenberg
Jena
Kiel
Leipzig
Lübeck
Magdeburg
Mainz
Marburg
München
Münster
Regensburg
Rostock
Saarland
Tübingen
Ulm
Würzburg

 

Modellstudiengang

Der Modellstudiengang ist die „innovative“ Form des Medizinstudiums, der zum ersten Mal an der Charité Berlin als „Reformstudiengang“ zum Wintersemester 1999/2000 angeboten wurde. Nach einigen Verbesserungen entstand daraus der Modellstudiengang in seiner heutigen Form.
Aber was ist denn so „innovativ“ dabei?! Schauen wir uns doch mal als Erstes den Aufbau an.

 

Der Aufbau

Dieser ist sicherlich an jeder Uni etwas unterschiedlich, zumindest bei der Benennung und Anordnung der einzelnen Lerneinheiten. Ansonsten ist das Prinzip an jeder Uni mit Modellstudiengang gleich.

(Wie schon erwähnt ist unser Beispiel für einen Modellstudiengang an meine Erfahrungen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf angelehnt.)

Im Modellstudiengang ist das Studium in 3 Studienabschnitten, den Qualifikationsstufen 1 bis 3 (Q1 bis Q3) unterteilt.

 

Q1

Q1 umfasst die ersten 3 Studienjahre (vom 1. bis 6. Semester), die in 10 Themenblöcken und 2 Studienblöcken (Blöcke mit eingebauten Praxiswochen an der Klinik) gegliedert werden. In diesem Abschnitt wird das Wissen in Organsystemen unterteilt, so dass die Fächer aufeinander aufbauend angeboten werden. Das Wissen wird in insgesamt 12 Themenblockklausuren abgefragt, deren Gesamtnote die Note des „klassischen“ schriftlichen Physikum darstellt.
Außerdem sollten in diesen 3 Jahren 8 Wahlfächer (eins davon benotet) absolviert werden, da diese als einer der Nachweise zur Zulassung zur Physikumsäquivalenzprüfung zählen.

Im 3. Studienjahr werden die vorklinischen Fächer langsam mit klinischen Fächer wie Pharmakologie, Immunologie, Pathologie oder Mikrobiologie ersetzt. Hier werdet Ihr in neuen Gross- (meist aus 15 Studenten) und Kleingruppen. So werden die Grossgruppen von den ersten 2 Studienjahren aufgelöst und Ihr bekommt die Möglichkeit neue Kommilitonen kennenzulernen.
Viel wichtiger sind aber die Kleingruppen. Sie bestehen aus 3 Studenten, die, wenn es mit der Physikumsäquivalenzprüfung für alle 3 klappt, im besten Fall bis Ende des 5. Studienjahr zusammen bleiben. Diese 3er Gruppen sind ausschließlich für den Unterricht am Krankenbett in den Praxisblöcken gedacht

Außerdem werdet Ihr zwischen den normalen Studienblöcken (Vorlesungs- und Seminarblöcke) auch 2 Praxisblöcke (Unterricht am Krankenbett in den unterschiedlichen Kliniken) erleben. Mit dem Beginn der Praxiseinheiten werdet Ihr Euch zum ersten Mal mit Behandlungsanlässen, den sogenannten Tasks, auseinander setzen. Ihr habt die Möglichkeit 65 von den Tasks bis zum Ende des Studiums zu bearbeiten und am Ende als einen Nachweis für die Zulassung zum 2. Abschnitt der ärztlichen Prüfung abzugeben.

Auf diese Art und Weise bekommt Ihr einige „Schnupperstunden“ vom klinischen Abschnitt mit und das vor dem offiziellen ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung. Klasse oder?!

Nebenläufig werden jedem von Euch in diesem Studienabschnitt 3 Patientenpraktika begegnen. Sie werden in dem 1., 2. und 3. Studienjahr fest im Stundenplan eingebaut. Diese Zeit gibt Euch die Möglichkeit Euren ersten Patientenkontakt (außerhalb des Pflegepraktikum im Krankenhaus) in einer Hausarztpraxis erleben zu können.

Fest im Modellstudiengang sind außerdem die sogenannten Kompetenzpunkte eingebaut. Von denn sollte jeder Medizinstudent 10 im Laufe des Gesamtstudiums nachweisen. Die Kompetenzpunkte dienen laut dem Düsseldorfer Curriculum zum Aufbau von ärztlichen Kompetenzen im diagnostischen, präventiven, therapeutischen und sozialen Bereich und werden für unterschiedliche Engagements wie z.B Praktika im Ausland, Tutoren- oder Organisatorenjobs an der Uni, ehrenamtliche Tätigkeit außerhalb der Uni und noch viel mehr.

Im Modellstudiengang ist die bekannte Form des Physikums nicht gegeben. Der schriftliche Teil entfällt und wird, wie oben erwähnt, als Note aus den gesamten Klausurleistungen im ersten Studiumsabschnitt kumuliert.
Die Qualifikationsstufe 1 wird somit mit der Physikumsäquivalenzprüfung abgeschlossen.

 

Physikumsäquivalenzprüfung

Die Prüfung mit dem schwierigen Namen besteht aus einer mündlichen und einer klinisch-praktischen Prüfung. Der mündliche Teil besteht im Gegensatz zum klassischen Physikum statt aus 3, aus 4 Fächern:

◦ Anatomie
◦ Biochemie
◦ Physiologie
◦ einem zugelosten Fach aus dem folgenden Auswahl:

Mikrobiologie/Hygiene/Virologie
Pathologie
Pharmakologie und Toxikologie

 

Die klinisch-praktische Prüfung, auch OSCE (Objective Structured Clinical Examination) genannt, findet dann an einem separaten Termin. Hierbei werden die praktische Fähigkeiten und Untersuchungstechniken anhand von 10 Parkour-Stationen (wie z.B Vegetative Anamnese, Untersuchung vom Kniegelenk, Blutdruckmessung etc.)
geprüft, die Ihr Euch in Untersuchungskursen, beim Erste Hilfe Kurs und bei den Patientenpraktika im Laufe der Q1 eineignen konntet.

 

Q2

Nachdem Ihr die Hürden der Physikumsäquivalenzprüfung erfolgreich überwunden habt, geht es für Euch offiziell mit der Qualifikationsstufe 2 (Semester 7 bis 10) und dem damit verbundenen „echten“ klinischen Abschnitt weiter.
Hier wird der Wechsel von Studien- und Praxisblöcken im Stundenplan der einzelnen Semester vom 3. Studienjahr beibehalten. An dieser Stelle werdet Ihr, im besten Fall, zusammen mit Euren Kommilitonen von Eurer Kleingruppe in eine neuen Grossgruppe landen und neue Gesichter aus Eurem Jahrgang begegnen.
In den Praxisblöcken werden Euch jeden Tag aufs Neue spannende Patientenfälle aus dem Bereich der unterschiedlichen Kliniken begegnen. Dazu kommen neue Herausforderungen im Rahmen von Tutorien, in denen Ihr die Möglichkeit bekommt, vor Euren Kommilitonen Eure Präsentationsskills zu trainieren.

 

Zweiter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

oder das sogenannte „Hammerexamen“ zeichnet den Abschluss von Q2 ab. Dieser Abschnitt der Ärztlichen Prüfung findet in Form von einer schriftlicher Prüfung statt, die bundesweit einheitlich über 3 Tage hinweg durchgeführt wird.

 

Q3

Das Praktische Jahr (PJ) auch als 3. Qualifikationsstufe bekannt, umfasst das 6. Studienjahr. In diesem Abschnitt erhalten die Studenten praktischer Ausbildung von insgesamt 48 Wochen, die in 3 Tertiäre á 16 Wochen gegliedert ist und entweder Mitte Mai (Frühjahrs-Kohorte) oder Mitte November (Herbst-Kohorte) beginnt.

Das PJ wird in den (Pflicht-)Fächer Chirurgie und Innere Medizin sowie einem Wahlfach absolviert

Als angehende Ärztinnen und Ärzte werdet Ihr unmittelbar in den Instituts-, Klinik- bzw. Praxisbetrieb integriert. Ihr werdet Eure in den ersten 5 Studienjahren erworbenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen anwenden und diese unter Anweisung erfahrener Ärztinnen und Ärzte vertiefen können. In diesem Zeitraum werdet Ihr zum ersten Mal zum Spüren bekommen, wie es ist im richtigen Beruf ärztliche Verantwortung zu übernehmen.

 

Dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

Der dritte Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ist die letzte grosse Hürde vor dem Abschluss des Medizinstudiums. Die Prüfung findet an 2 Tagen statt und ist mündlich-praktisch ausgelegt.
Sie beinhaltet Patientenuntersuchungen und -vorstellungen sowie mündliche Prüfungen in der Gruppe.

Geprüft werden insgesamt 4 Fächer:

◦ Chirugie
◦ Innere Medizin
◦ ein Fach nach Eurer Wahl
◦ ein zugelostes Fach

Danach kommt auch der schönste Teil des Ganzen, denn mit dem bestandenen Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ist das Medizinstudium erfolgreich beendet und Ihr seid offiziell bereit mit dem Berufsleben als Arzt zu starten.

 

Vor- und Nachteile

So wie in der Spalte für den Regelstudiengang wollten wir Euch einen kurzen Überblick der Vor- und Nachteile bei dem „neuen“ Modellstudiengang

VorteileNachteile
Themenbezogene
fächerübergreifende
und praxisbetonte Wissensvermittlung
→ gutes Verständnis von Zusammenhängen
Durch die themenbezogene Aufteilung der Fächer wird der Wechsel an eine andere Uni bzw. in den Regelstudiengang erschwert.
Unübersichtlichkeit
womöglich Vernachlässigung von kleinen Fächern, die nur durch kleine Anzahl an Fragen in jeder Klausur abgefragt werden
Detailwissen im Vordergrund
früher Patientenkontakt
ärztliches Kompetenztraining
→ Angebot von Untersuchungskursen bereits in den ersten Semester
→ Kommunikationstraining mit Schauspielpatienten
Nachweis von fester Anzahl an mehreren Kompetenzpunkten, die eine zusätzliche Belastung in der studienfreien Zeit darstellt
→ durch Engagements wie Chor-, Nachhilfe-, Tutortätigkeit etc.
fester Stundenplan wie in der Schulekeine Möglichkeit sich von bestimmten Kursen im Semester abzumelden

 

 

Universitäten mit Modellstudiengang

Aachen
Berlin
Bochum
Brandenburg
Dresden
Düsseldorf
Frankfurt a.M.
Göttingen
Hamburg
Hannover
Heidelberg
Köln
Oldenburg
Witten/Herdecke

 

Meine persönliche Erfahrung

Vor dem Medizinstudium habe ich an derselben Uni Zahnmedizin im Regelstudiengang studiert. Deshalb konnte ich einen direkten Vergleich der beiden Studiengangsformen erleben.

In der Zeit, als ich mich für ein weiteres Studium in der Humanmedizin entschieden habe, war es mir nicht bewusst, dass genau ab diesem Wintersemester das neue Modellstudiengang an der Heinrich-Heine-Universität eingeführt wird.
Die Idee von einem fächerübergreifenden und praxisorientiertem Studium haben mir jedoch an erster Linie ganz gut gefallen, da ich diese zwei Aspekte im Regelstudiengang sehr vermisst habe.
Diese Art der Wissensvermittlung haben mir persönlich sehr gut gefallen und mir bestens geholfen, wichtige Zusammenhänge bei unterschiedlichen Organsystemen oder aber auch bei den verschiedenen Krankheitsbilder aufzubauen.
Das einzelne Angebot der Fächer im Regelstudiengang ist einerseits ganz gut für den Übersicht der Leistungen, die man erbringen muss, doch in den ersten Semester fand ich es sehr mühsam herauszufinden, wo die Verbindung zwischen all denen ist. Deshalb ist mein persönlicher Gewinner in dieser Hinsicht der Modellstudiengang.

Einige Ärzte haben sich oft sehr skeptisch geäussert, dass das Studium durch „das Fehlen vom richtigen Physikum“ die Studenten dann eventuell nicht ernst genommen wird und einiges an Wissen abhanden bleibt.
Hier kann ich diese Meinung definitiv nicht teilen, denn im Nachhinein betrachtet ist der Medizinstudent durch den festen Stundenplan so gut an den Lernstoff gebunden, dass sehr wohl alles ernst genommen wird, da man auch einfach keine andere Wahl hat.

Die Wahrheit ist, dass der Regelstudiengang einige Freiheiten mit sich bringt. Hier werden deutlich weniger Wahlfächer angefordert, es gibt keine Kompetenzpunkte, die man erfüllen muss und man kann es sich aussuchen, welche Fächer man pro Semester belegen möchte und dazu kommt der Bonus von einer unbegrenzten Anzahl an Wiederholungsmöglichkeiten jeder Klausur, die man pro Fach im klinischen Abschnitt in Anspruch nehmen kann.
Das alles klingt natürlich sehr verlockend, aber andersrum erfordert diese wiederum ganz große Disziplin, um am Ball zu bleiben, um das Studium in ungefährer Regelstudienzeit durchzuziehen.

Das ist beim Modellstudiengang ein wenig anders. Hier werden die Studenten mit extra Anforderungen (an Wahlfächer oder Kompetenzen) konfrontiert, die bis zu bestimmtem Semester erfüllt werden müssen. Die Klausurversuche sind hier immer auf 3 limitiert. Dadurch hat man als Student keinen grossen Spielraum, um zwischen den Semestern hängenzubleiben, da man auch automatisch in der Qualifikationsstufe 1 immer für die Wiederholungsklausur angemeldet wird.

Die themenbezogene Wissensvermittlung hat mir persönlich ganz gut gefallen und mir sehr bei der Bildung von Zusammenhängen geholfen. So ergaben die Informationen, die zu jedem Organsystem oder Krankheitsbild von den unterschiedlichen Aspekten der einzelnen Fächer dargelegt wurden, auch viel mehr Sinn.

Allerdings zum Zeitpunkt der Einführung vom Modellstudiengang war das Ganze noch nicht ausgereift, da wir der erste Jahrgang im Modellstudiengang an HHU Düsseldorf waren und es alles „zum ersten Mal“ in dieser Form gab. Aus dem Grund gab es einige organisatorische Defizite, die dann aber durch fleißige Evaluation der Studenten gebessert wurden.

Fazit: der Modellstudiengang bietet viele Vorteile und ist unser klarer Favorit. Am besten an Unis, die seit einigen Jahren damit Erfahrung haben und es nicht gerade zum ersten Mal einführen. So vermeidet man einen holprigen Testlauf.

 

Wie ist Eure Meinung zu den unterschiedlichen Modellen? Welche Variante bevorzugt Ihr? Regelstudiengang oder doch Modellstudiengang?

Lasst es uns in den Kommentaren wissen oder schreibt eine Mail.

 

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